Natürlich gibt es gute Gründe, helfende Gespräche innerhalb von vier Wänden stattfinden zu lassen – der Raum wohltemperiert und die Tür versehen mit einen Schild: „Bitte nicht stören“. Dennoch frage ich mich, warum wir die Natur, die Weite und die Bewegung heraushalten wollen aus Prozessen, in denen es – nun ja – darum geht, unserer Natur näher zu kommen, den Blick zu weiten und  Bewegung in etwas hineinzubringen.

In vielen Seminaren habe ich bei dialogischen Spaziergängen und Empathiegesprächen in Park, Wald und Feld berührende Erfahrungen gemacht: Die Gedanken fließen freier, wenn wir nebeneinander hergehen; Blockaden werden greifbarer, überwindbarer, wenn wir körperlich innehalten und erst dann weitergehen, wenn es auch einen Impuls dazu gibt. Manchmal kommt es zu überraschenden Gleichklängen zwischen innen und außen, resultierend aus dem Zusammentreffen von dem eigenen Prozess und dem Leben, welches uns auf dem Weg begegnet.
Warum soll ich diese Qualität meinen Beratungs- und Coaching-KlientInnen vorenthalten? Dass wir nur dann auf tolle Lösungen kommen, wenn wir lange genug auf einem Stuhl sitzen und tief in uns suchen, ist doch wohl eine recht antiquierte Vorstellung! Vielleicht schwingt die Lösung ja auch im Schrei der Wildgänse mit, die in Formation über uns hinwegziehen. Oder sie kullert uns genau vor die Füße, dunkelrot glänzend, nachdem eine stachelige Kastanienkugel plötzlich neben uns auf den Asphalt aufschlug.

Zwei Formate, von „Beratung auf dem Weg“, die ich praktiziere:

Empathywalk:
Konflikte auf einem einfühlsamen Spaziergang erkunden, sich selbst und die eigenen Reaktionen besser verstehen – aber auch das Verhalten der anderen, nicht anwesenden Person. Neue Blickwinkel einnehmen und Ideen für den nächsten Schritt aufkommen lassen. Empathywalk ist Laufen und Verweilen, Sprechen und Schweigen, Gefühle durchleben und Klarheit über die eigenen Bedürfnisse erlangen, Ideen generieren und Leere zulassen…
Du bringst einen Konflikt ein, den du transformieren möchtest. Den strukturierenden Ablauf dieser Dialoge im Gehen bilden die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg – verlegt in die Landschaft.

Morgenluft-Coaching:
Es muss nicht „in aller Herrgottsfrühe“ stattfinden, aber prinzipiell schon am Morgen, bevor dein Hamsterrad Fahrt aufnimmt und dein Geist und dein Fühlen noch auf Empfang ausgerichtet sind.
In einem Vorgespräch teilst du mir dein Thema mit. In Vorbereitung auf das Coaching formuliere ich zu diesem Thema Fragen, in denen „Musik“ liegt. Nacheinander stelle ich dir dann während des dialogischen Spazierganges diese Fragen. Du bist eingeladen, ihnen nachzugehen, nachzuspüren, bist  eingeladen zu schweigen, zu sprechen und beim Sprechen auf ganz neue Gedanken zu kommen. In der Schlussphase unterstütze ich dich dabei, Antworten auf die Frage „Was heißt das jetzt konkret?“ zu finden und die nächsten Handlungsschritte festzulegen.

 

Bild: jplenio – pixabay.com

Bei strahlendem Wetter und angenehmen Temperaturen führte die Initiativgruppe Mannheim des Vereins am Sonntagmittag eine Aktion auf dem Marktplatz durch. Unter dem Motto „Einladung zum Dialog“ wurde von Mitgliedern des Vereins eine Gesprächsrunde zu der Frage nach der Bedeutung eines würdevollen Lebens angeboten. In drei Stunden setzten sich immer wieder Passanten in den Kreis von 20 Stühlen. In teils sehr subjektiven Beiträgen wurden Erlebnisse im Zusammenhang mit der eigenen Würde geschildert. Auch der Umgang mit der Würde anderer Menschen war Thema.

Mithilfe von Beachflaggs, einem großen Aufsteller, den Dialogempfehlungen an den Rückseiten der Stühle und einem roten Teppich, der direkt in den Kreis führte, konnten wir die einladende Geste deutlich machen. Die Redebeiträge wurden mit einem Mikrofon und einer kleinen batteriebetriebenen verstärkt. Von zwei Stehtischen unter einem Sonnenschirm konnten die Passanten Flyer zu der Aktion und zum Dialogverein mitnehmen. Dort fanden auch lebhafte Gespräche statt und konnte etwas getrunken werden (Quellwasser und Tee).

Die Teilnehmenden äußerten am Ende, dass sie dankbar seien für diese Erfahrung, mit unbekannten Menschen so schnell in ein vertrautes Gespräch gekommen zu sein. Als positiv wurde der entschleunigte Austausch wahrgenommen. Es sprach jeweils nur eine Person, die anderen hörten konzentriert zu. Wenn jemand zuende gesprochen hatte, legte er oder sie das Mikrofon wieder auf einen Tisch in der Mitte, als Zeichen für den nächsten Redebeitrag.

Der schönste Satz als Resümee war: „Das müsste jeden Tag in jeder Fußgängerzone passieren.“ Die Mannheimer Gruppe fühlt sich durch den guten Verlauf darin bestärkt, ein solches Format der Stadtbevölkerung demnächst wieder anzubieten.

Lust, selber Dialog unter freiem Himmel anzubieten – in deiner Stadt, deiner Nachbarschaft oder im Rahmen einer größeren Veranstaltung?  Jens Kotulla berät dich gerne und stellt Material zur Verfügung!

In der Zeit vom 15.-17.1o.2018 findet im Haus Villigst ein Seminar mit Freeman Dhority und Steffi Dobkowitz statt. Interessierte können hier den Dialog kennenlernen bzw. vertiefen.

Der Schwerpunkt wird in diesem Jahr bei den Themenbereichen Vergebung/Verzeihung und Resilienz liegen.

Alle Informationen finden Sie auf der Veranstaltungsseite.

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Der Mannheimer Dialog unter freiem Himmel steht unter der Frage „Was ist für dich ein würdevolles Leben“. Er findet erstmals statt am 26.8.2016 auf dem Mannheimer Marktplatz.

Wir wagen damit ein spannendes Experiment: Ein Stuhlkreis auf dem Marktplatz, ein Tisch in der Mitte, Sprechgegenstände und eine Frage – mehr brauchen wir nicht, um den Versuch zu starten, der Sprachlosigkeit zwischen Menschen den Dialog entgegenzusetzen. Ein Gesprächsformat, das auf interessiertes Zuhören und authentisches Sprechen setzt.

 

Gerade Menschen mit ausgeprägten Meinungen zu den Themen unserer Zeit haben oft aus den Augen verloren, wie wichtig für die Demokratie der Abgleich von Positionen ist. In unserem Land genießen wir unsere Bürgerrechte, zu denen auch die Meinungsfreiheit gehört. Nutzen wir sie, um miteinander über wesentliche Fragen ins Gespräch zu kommen.

Weitere Infos finden Sie hier.

Bild: pixabay.com, domeckopol

 

Im Dialog e.V. beteiligt sich als Akteur auf dieser Veranstaltung – u.a. mit einem Dialog unter freiem Himmel auf dem Hans-Schalla-Platz (Samstag, 29. September, 11.30 – 12.30 Uhr)

Weitere Informationen zum Begegnungsfest finden Sie auf dem Veranstaltungsflyer sowie auf der Webseite der Veranstaltung.

Die erste Potsdamer Konferenz für Pädagogik ist dem Thema „Das Dialogische Prinzip“ gewidmet und richtet sich an Interessierte aus ganz unterschiedlichen Kontexten. Ein Themenstrang wird sich mit dem Dialogischen Lernen befassen.

PDF-Info zur Potsdamer-Konferenz 2018

P R E S S E M I T T E I L U N G

Einladung zum Dialog: „Was ist für dich ein würdevolles Leben?“

Unter dieser Fragestellung werden Mitglieder des Dialogvereins versuchen, mit den Bürgerinnen und Bürgern in Potsdam ins Gespräch zu kommen.

Am Sonntag, 25. März 2018, von 11 bis 14 Uhr, wird ein Stuhlkreis für maximal 20 Personen auf dem Alten Markt, vor dem Potsdam Museum, angeboten. 10 Mitglieder des Vereins laden Menschen aus der Bürgerschaft ein zum Dialog.

Der Dialog lebt von der Qualität des Zuhörens. Wenn ich in der Lage bin, die Beweggründe und Gefühle meines Gegenübers wirklich nachzuvollziehen, kann ein echtes Gespräch entstehen. Ein solches Gespräch im öffentlichen Rahmen zu versuchen, ist der Mühe wert.

„Wir beobachten eine zunehmende Sprachlosigkeit unter der Bevölkerung, bedingt durch sich immer weiter auseinander entwickelnde Meinungen auf nahezu allen Politikfeldern. Dieses Verstummen und Zurückweichen vor der produktiven Auseinandersetzung ist Gift für unsere Demokratie“, so Frank Schubert, einer der Initiator_innen zu den Motiven der Gruppe.

Eine weitere Gefahr ist die „Debatten-Falle“, in der dem Anderen nicht zugehört, sondern nur nach Gegenargumenten gesucht wird. Ein Ausweg aus dieser Falle ist nach Ansicht der Vereinsmitglieder das Gesprächsformat des Kreises. Der Einsatz von Sprechgegenständen ermöglicht eine Gesprächskultur, die zum Sich-Aussprechen-Können und dadurch zum besseren Verständnis und zur Entschleunigung beiträgt.

Am Vortag, Samstag 24.03.18, 10 Uhr treffen sich die Mitglieder des bundesweit aktiven Vereins Im Dialog e.V. in der Jugendherberge Potsdam zu ihrem regelmäßig stattfindenden Dialogforum.

Dialogbereite Gäste sind herzlich willkommen!


Im Dialog e. V.
Geschäftsstelle Hagen
Brockhauser Str. 16, 58089 Hagen
www.im-dialog-ev.de

 

„Wir kommen alle gerne wieder zusammen“

Menschen aus anderen Kulturen zu begegnen empfinde ich oft als überraschend wunderbar. Sie sind für mich aber nicht zwingend unkompliziert . So erlebe ich das. Jetzt hatten meine Frau Ulrike und ich eine Idee. Unter dem Motto: „Dechiffrier den Code“ haben Ulrike und ich im Februar zu einem Tagesseminar eingeladen. Ulrike ist angehende Dialogprozessbegleiterin. Weil wir keine Konferenzatmosphäre wollten und auch nicht so viele Leute waren, haben wir es im Wohnzimmer genossen. Das war spitze!

Im Rahmen des Workshops hören Menschen, die sonst gerne viel reden, überraschend zu. Andere finden Raum für ihre Geschichten.
So ergeht es Francine. Bei der Frage „Wann hast du dich als fremd wahrgenommen?“ ergreift sie das Wort.
Die Lehrerin aus Goma, Demokratische Republik Kongo kenne ich seit Jahren. Darüber wie sie sich zu Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland gefühlt hatte, wusste ich nichts. Das hatte sie nie erzählt.

„Wir kannten gar nichts. Sie haben uns Geld gegeben und gesagt, wo wir im Supermarkt einkaufen könnten!“ erinnert sich die Mutter von vier Jungen, “aber wir waren doch mit unseren Kindern erst vor ein paar Stunden in Deutschland angekommen. Wir kannten doch gar nichts! Das war sehr schlimm für mich.“ Francine ist die Aufregung noch heute abzuspüren. „ Bei uns in Goma hätten wir die Neuankommenden bekocht, “ erzählt die Pädagogin, „ aber hier hat man uns den Schlüssel in die Hand gedrückt und uns anschließend alleine gelassen.“
Es verblüfft mich, dass die deutschen Gastgeber trotz jahrzehntelanger professioneller Erfahrungen mit internationalen Gästen deren Bedürfnisse nur bruchstückhaft kannten. Ich frage mich, wie empathisch ich wohl bin?

Auch Dirk bekommt neue Impulse. Als Lehrer der Matthias Claudius Gesamtschule in Bochum arbeitet er seit Jahren mit dem Majengo Institut Goma, DRC und dem Rainbow House of Hope Kampala, Uganda zusammen. Inzwischen hat er viele Freunde in der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes. Er fährt hin so oft er kann. Ein alter Hase würde man sagen. Umso erstaunter war ich, als Dirk nach dem Workshop nachdenklich zusammenfasst: “Erst heute wurde mir bewusst, dass ein nein in vielen Kulturen als persönliche Ablehnung empfunden wird“.

Beim Dialog ist es wichtig, einander Raum zu geben und zuzuhören. Das Wort ist keine Waffe. Niemand soll mit Argumenten erschlagen werden. Auf einem alten Tischtuch liegen ein paar Gegenstände: ein Stein, ein Herz aus Holz, ein stacheliger Igel und eine Schublade. Diese Dinge sind nicht Teil eines Dogmas. Sie sind veränderbar aber bewusst ausgewählt.

Jean Gottfried nimmt eine kleine Schublade aus Holz. Er dreht sie in der Hand, schaut in die Runde und erzählt. „Ich hatte eben meine neue Pfarrstelle angetreten und wollte meinem Amtskollegen in der Adventszeit eine Freude machen“, sagt der promovierte Theologe, „und so bin ich mit einem Sack Kartoffeln, Reis und einer Flasche Öl mit meinen Söhnen losgegangen“. Dann stand der Kongolese in der Dämmerung vor dem Pfarrhaus. Die deutsche Frau des Kollegen öffnet die Tür. Es gab keinen Gruß. Und es kam auch nicht zu einem Vorstellen. Stattdessen provoziert die Anwesenheit des Mannes im Halbdunkel eine knappe Frage. ‚Brauchen sie Hilfe? ‘, wurde ich gefragt“, berichtet der Beauftragte für Mission, Ökumene und Weltverantwortung. Dabei schüttelt er den Kopf, um dann zu ergänzen: „Das werde ich nie vergessen!“
Obwohl sie Akademiker sind und in Deutschland arbeiten, werden sie automatisch immer wieder wie hilflose und hilfsbedürftige Menschen behandelt.
Bei dieser Episode musste ich doch sehr lachen und ich glaube, dass Jean Gottfried das gut getan hat.

Es gab bei diesem Tagesworkshop keine bezahlten Experten und keine Vorträge. Alle Teilnehmenden trugen sozusagen ihr Expertenwissen in sich. Jede einzelne Person erlebte sich hier und heute als wertvoll und freut sich auf ein nächstes Treffen. Wir haben Francine noch in die Stadt gefahren. Am Abend wollte sie für ihre Familie Kochbanen zubereiten.

Tom E. Laengner

In der Zeit vom Mai 2018 findet im Haus Villigst ein Seminar mit Freeman Dhority und Steffi Dobkowitz statt. Interessierte können hier den Dialog kennenlernen bzw. vertiefen. Alle Informationen finden Sie auf der Veranstaltungsseite.

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